Beim Semesterabschlusskonzert Ende Januar sang der Chor der Katholischen Hochschulgemeinde Monteverdis „Marienvesper“ in einer über 80-stimmigen oratorischen Besetzung. Zwischen den großen Chorkonzerten zum Semesterende ist das Kammerchor-Projekt während der Semesterferien mittlerweile schon eine kleine Tradition geworden. In nur fünf jeweils dreistündigen Proben studierten KHG-Chorleiter Jan Stoertzenbach und der 26-stimmige Kammerchor ein anspruchsvolles, satztechnisch herausforderndes A-cappella-Programm ein. Zum Werkstattkonzert „Gegen den Krieg“ am Samstag kamen gut 120 Zuhörer in die Petruskirche.

Matthias Claudius’ berühmtes „Kriegslied“ machte den Auftakt: „’s ist Krieg!“ In einer freitonal modernen Vertonung des Genzmer-Schülers Friedrich Zehm: steil verkeilte Dissonanzen, klanggewordener Krieg. Der widerständig aufgebäumte Schlussakkord mit enormem Ambitus bis tief hinab zu den mächtigen Bässen.

An den einzelnen Chorwerken ließ sich auch Zeitgeschichte ablesen. Rudolf Mauersbergers Trauer-Motette „Wie liegt die Stadt so wüst“ wurde im August 1945 in den Ruinen der ausgebrannten Kreuzkirche uraufgeführt. Mit Versen aus den Klageliedern Jeremiae über das zerstörte Jerusalem wird das bombardierte Dresden beweint, bis zu siebenstimmig aufgefächert. Manche Kulminationen hätten schärfer, drastischer sein dürfen. Dafür waren im paritätisch ausbalancierten Chorsatz alle Stimmverläufe und Klangschichten transparent hörbar, der Text überall verständlich. Über allem ein trügerisch ätherischer Schleier der Soprane.

Hanns Eislers zwölftönige, knapp viertelstündige Protest-Kantate „Gegen den Krieg“ auf einen Text von Bertolt Brecht entstand 1936, als beide bereits im Exil waren. Ein Totentanz in 24 Variationen mit altmeisterlichen Fugen- und Kanontechniken. Ausweglos strenge, verzweifelt enge Kontrapunktik, kantig, fahl und düster. Immer mehr knirschender Verweigerungs-Sand im Getriebe der Mächtigen: „Dieser Krieg ist nicht unser Krieg!“

Dann die Kehrtwende mit Benjamin Brittens engagiert pazifistischem „Advance Democracy“, eine direkte Reaktion auf das „Münchner Abkommen“ und die deutsche Annexion des Sudetenlands 1938. Appellierende Impulse durch schwingende Klangbänder hindurch. Abgründig kippende Harmonien und fanfarenstrahlende Hoffnungswellen. Zuletzt Knut Nystedts „Peace I leave with you“ von 1957: klanggewordener Frieden in sphärisch entrücktem Pianissimo und weichen Pastellfarben. Hier war der Chorklang am allerschönsten.