Wir sind ja schon ein bisschen wahnsinnig. Lechner und Bach-Motette am Wochenende einstudieren? Check! Schütz' Matthäus-Passion in 4 Proben? Check! Hugo Distlers Totentanz in 4 Proben? Check! Arnold Schönbergs Zwölftonmusik mit Profi-Orchester und Laien-Sängern? Check! 

Und jetzt Hanns Eislers Zwölftonmusik mit 4 weiteren Werken in 4 Proben + Generalprobe? Ok, das geht jetzt aber wirklich nicht!

Und deswegen machen wir das. Man kann über die Theorie zur Zwölftonmusik alles lernen (etwas davon siehe hier). Bringt nichts. Man kann viel Zwölftonmusik hören, um "reinzukommen". Bringt nichts. Katze aufs Klavier jagen, klingt wie Zwölftonmusik, vielleicht sogar Serielle Musik. Bringt aber auch nichts.

Was also tun? Stures Lernen, wie Vokabeln einer Sprache, deren Regeln schleierhaft sind. Üben. Üben. Üben. Und zwischendurch die anderen Werke zur Erholung machen. Dass diese auch aus der Moderne kommen und nicht wie ein Mendelssohn sahnig reinlaufen, fällt uns da schon gar nicht mehr auf.

Wie schon bei der Marienvesper hatten wir wieder das stete Gefühl, die Zeit reicht nicht; der D-Zug rollt und man kommt kaum hinterher. Zurücklehnen und auch mal genießen war einfach nicht drin. Nach der Probe ersma'n Bierchen oder Limo zum Runterkommen.

Umso aufregender und auch faszinierender ist es dann, wenn sich zum Konzert alles fügt. Vielleicht sogar ungläubiges Staunen bei uns selbst an der einen oder anderen Stelle, wenn Dinge klappen, die wir immer wollten in der Probe, aber auch nur das.

Und ebenso erstaunlich: Sie, unser Publikum, kamen zum Konzert, für das es außer Mund-zu-Mund-Propaganda kaum Informationen gab und machten Sankt Petrus voll. Vielen Dank dafür, auch wenn es als Projekt-Konzert nicht mal so lang war. Das wird es aber dann wieder im Sommersemester, wo wir es "nur" mit Romanik zu tun haben, die ihre ganz eigenen Herausforderungen mit sich bringt. Ausdruck und Innigkeit ohne Kitsch und Manieriertheit ist auch kein Selbstläufer.

Bis dann.